Zeitschrift "Freizeit im Sattel"
Veröffentlichung Juli 2001
Hilfe für Ekzemer
Von Prof. Dr. Heiner Sommer*
Sommerekzem - eine wissenschaftliche Studie an der Bonner Universität zeigt, wie homöopathische Komplexmittel helfen können.
Beim Sommerekzem handelt es sich um entzündliche Hautveränderungen (Schwellung, Rötung, Juckreiz) vorwiegend an Hals, Bauch, Schweifrübe und Schlauch des Pferdes. Der Juckreiz führt zu ständigem Scheuern und damit häufig zu einer Verletzung der Haut mit möglicher Keimbesiedelung, die nässende oder gar eitrige Ekzeme hervorruft. Durch das Scheuern verlieren viele Pferde einen Teil der Mähne und Schweifhaare.
Das Leiden wird durch Stechmücken, die so genannten Gnitzen (Culicolides ssp.), aber auch Wadenstecher (Stomoxys calcitrans) hervorgerufen. Die Mückenstiche erzeugen eine alergische Reaktion. Die Veranlagung hierfür ist genetisch bedingt (Unkel, 1985 und 1987). An feuchtwarmen Tagen vermehren sich die Gnitzen besonders schnell und sind dann auch sehr aktiv, so dass die Krankheitserscheinungen vor allem mit Anbruch der warmen Witterung und im Verlauf des Sommers auftreten (daher der Name "Sommerekzem"). So erkranken die Pferde vor allem in Gegenden mit schwülem, warmem und windarmem Wetter.
Die Hauptaktivität des Insekts liegt in den Abendstunden (Dämmerungsmücken). Während dieser Zeit werden die Pferde von den blutsaugenden Weibchen besonders stark belästigt. Aber auch früh von vier bis sieben Uhr ist mit verstärkter
Stechaktivität zu rechnen. Culicolides fliegen im allgemeinen nicht sehr weit, so dass vor allem die in unmittelbarer Nähe geschlüpften Mücken die Pferde belästigen. Im Stall sind sie, wenn überhaupt, nur vereinzelt zu finden, sondern vorwiegend im Freiland (Unkel, 1987). Durch die Verbreitung artgerechter Haltungsbedingungen (ganztägige Weidehaltung, geringe Aufenthaltszeiten im Stall) treten auch bei Großpferden immer mehr Fälle von Sommerekzem auf, so dass diese Erkrankung in der Pferdehaltung ein allgemeines Problem geworden ist.
Vorbeugung ist möglich
- Die Mücke kann durch den Geruch verschiedener ätherischer Öle (Nelken, Zitronen, Knoblauch...) vertrieben werden.
- Durch das Auflegen spezieller Ekzemer-Decken bietet der Pferdekörper keine oder kaum noch Angriffsfläche für die Stechmücken.
- Ganz wichtig ist die Umweltsanierung: die Beseitigung von Kot und Wasserpfützen, um den Lebensraum der Gnitze einzudämmen. Oft haben beispielsweise die Islandpferde nur offene Unterstände und selten geschlossene Stallungen, in denen sie sich die Nacht über aufhalten können. Als Wassertränke dient häufig eine Wanne, von Pfützen umgeben, und auch die Futterraufe steht im Freien. Damit halten sich die Pferde in diesen Bereichen je nach Witterung und Weidequalität am meisten auf und koten hier auch vornehmlich ab. Das Areal ist dann feucht, eventuell schlammig und voller Kot - eine ideale Brutstätte für Fliegen. Eine wesentliche Maßnahme zur Minderung des Insektendrucks ist es, den Kot regelmäßig zu entfernen und für einen trockenen Fressplatz zu sorgen.
Therapie behandelt die Symptome
Die Therapie ist rein symptomatisch.
- Zur Behandlung der erkrankten Haut werden Kortisone und Histamine verwendet. Beide haben bekannte Nebenwirkungen, die vor allem dem Dauergebrauch von Kortison entgegenstehen, und sind bei längerer Anwendung auch sehr teuer.
- Aufgetretene Ekzeme werden oft mit verschiedenen Öleneingerieben, um die Haut geschmeidig zu halten und der Entzündung entgegenzuwirken. Aus Kostengründen wird am häufigsten Babyöl benutzt.
- Dermatologische Verschreibungen kommen selten zur Anwendung, da es sich um eine großflächige, anhaltende Veränderung handelt, die schon aus Preisgründen die Versorgung des Ekzems mit hochwirksamen, aber auch teuren Salben und Ölen verbietet.
- Die relative Hilflosigkeit zahlreicher Pferdehalter gegenüber dem Ekzem ist ein guter Boden für eine Fülle von Spezialzubereitungen (deren Zusammensetzung nicht immer bekannt ist), die häufig falsche Hoffnungen wecken.
- Die Homöopathie empfiehlt verschiedene Mittel, um dem Leiden zu begegnen: MacLeod (1988) gibt Arsenicum album in ansteigender Potenz.
Salomon (1987) empfiehlt Sulfur C 30 und ebenfalls, wenn das Ekzem noch trocken ist, Arsenicum album, bei zähem Sekret Graphites.
Auch Emming (1986) empfiehlt Sulfur C 30, und zwar jeden dritten Tag 10 Tropfen, weiterhin Acidum fluoricum D 6 vor allem bei heftigem Jucken.
Gerweck und Späth (1993) verwenden als Grundbehandlung Sulfur D 12 und bei nässenden Ekzemen Berberis D 6, gehen aber auf eine spezifische Behandlung des Sommerekzems nicht näher ein.
Sulfur wird also mehrmals erwähnt, ich kenne aber keine größere Untersuchung, welche die Wirkung nachweist. In dem vorliegenden Versuch war zu prüfen, ob man mit homöopathischen Mitteln dem Ekzem vorbeugen kann und inwieweit eine Behandlung bei bestehendem Ekzem möglich ist.
Zwei Versuche mit homöopathischen Mitteln
Es standen 40 Islandpferde verschiedener Besitzer zur Verfügung, die in unterschiedlichen Regionen gehalten wurden. Bis auf zwei Pferde hatten alle in den vorausgegangenen Jahren ein deutlich ausgeprägtes Sommerekzem gezeigt. Die Behandlungszeit erstreckte sich vom Frühjahr bis zum Sommer. Die Pferde wur den im Verlauf des Jahres zum Teil nur einmal; aber auch mehrmals vorgestellt, so dass sich insgesamt 64 Fälle ergaben:
- Im ersten Versuchsdurchgang handelte es sich um 34 Pferde, die zu dieser Zeit noch kein Ekzem entwickelt hatten. Sie wurden zur Vorbeugung mit Allergosal behandelt.
- In einem späteren Durchgang wurden 30 Pferde vorgestellt, die schon mehr oder weniger mit Ekzem befallen waren. Sie wurden mit Allergosal und Dermisal behandelt, um den therapeutischen Erfolg dieser Kombination zu überprüfen. Die Präparate haben folgende Zusammensetzung:
Allergosal: Apis mellifica C 6, Arsenumjodatum C 12, Urtica urens C 6.
Dermisal: Sulfur C 30.
Beides sind Hochpotenzen.
Allergosal zur Vorbeugung
Die Wirkung von Allergosal in der Vorbeuge wurde an 34 Islandpferden überprüft. Alle Pferde bekamen im Abstand von drei Tagen jeweils zwei Ampullen zu je zwei Milliliter Allergosal unter die Haut gespritzt. Wie aus Tabelle 1 (siehe Seite 58) hervorgeht, blieb bei neun Pferden (26 Prozent) die prophylaktische (vorbeugende) Verabreichung des Mittels ohne Erfolg: Diese Pferde wiesen nach wenigen Tagen Juckreiz, Scheuern und Hautverletzungen auf, wie dies im vorangegangenen Jahr der Fall gewesen war. Bei 25 Pferden (74 Prozent) trat kein Ekzem auf, beziehungsweise bei einigen zeigten sich ganz geringfügig Juckreiz und leichte Schwellungen, die das Pferd aber nicht weiter belästigten. Drei bis fünf Tage nach der letzten Injektion entwickelte sich in den meisten Fällen je nach Witterung mehr oder weniger das gewohnte Ekzembild.
Fazit: Allergosal war somit imstande, bei den meisten Pferden das Auftreten des Ekzems zu verhindern, aber nur so lange, wie die Pferde unter diesem Arzneimittelschutz standen.
Behandlung bei ausgebrochenem Ekzem
Im zweiten Durchgang, etwa zehn Tage später, wurden jene Pferde vorgestellt, die nach Abschluss der Allergosalbehandlung das gewohnte Ekzembild entwickelt hatten, aber auch solche, die bei der vorliegenden Allergosalbehandlung nicht angesprochen hatten (siehe Tabelle 2, Seite 58): Pferde mit teilweise starkem Haarverlust an Mähne und Schweifrübe, erheblichen Schwellungen am Bauch, ausgeprägtem, ständigem Juckreiz und Hautläsionen, ohne nässendes Ekzem. Allen diesen Tieren wurde jeweils eine Ampulle Allergosal und Dermisal (zwei Milliliter) unter die Haut injiziert. Zehn Pferde waren bereits drei Tage nach der ersten Injektion ohne Befund, bei 20, die allerdings auch stärkere Beschwerden aufwiesen, musste eine zweite Behandlung vorgenommen werden, die drei Tage nach der ersten Injektion stattfand. 17 Pferde waren drei Tage nach der zweiten Injektion bis auf den Haarausfall gesund oder ihr Zustand hatte sich doch ganz erheblich gebessert. Nur bei drei Pferden trat auch nach der zweiten Injektion keine sichtbare Veränderung des Leidens auf.
Umfeld hat großen Einfluss
- Bei der Behandlung sowohl für die Vorbeuge als auch in der Therapie musste festgestellt werden, dass der Schutz des Allergosals nicht von langer Dauer war: Je nach Witterung hielt er drei bis 14 Tage oder drei Wochen vor. Bei deutlichem Ekzemwetter setzte der Juckreiz verbunden mit starkem Scheuern schon drei bis fünf Tage nach der letzten Injektion von Allergosal wieder ein. Inwieweit hier individuelle Unterschiede vorlagen oder das Wetter eine herausragende Rolle spielte, konnte nicht nachgeprüft werden, da die Tiere nicht alle am gleichen Tag behandelt wurden und so die Gruppen zu klein geworden wären.
Dieser Effekt war auch bei der Behandlung der bereits befallenen Pferde zu sehen: Ungefähr eine Woche nach Behandlungsabschluss trat der Juckreiz wieder auf, verbunden mit Schwellungen und Scheuern. Hier spielten die hygienisehen Bedingungen eine erhebliche Rolle. Pferde auf Standplätzen mit Fasstränke, ohne Pfützen und geringer Verunreinigung durch Pferdekot sowie einem guten Unterstand sprachen auf die Behandlung besser an als die Pferde, bei denen der Insektendruck besonders hoch war. In Beständen, bei denen die Ohrmuscheln der Tiere voller Insekten waren, blieb das Mittel zum Teil wirkungslos.
- Allergosal und Dermisal gemeinsam hatten eine sehr gute, zum Teil geradezu verblüffende therapeutische Wirkung auf die Hautveränderungen: Die Schwellungen gingen innerhalb weniger Tage zurück. Der Juckreiz ließ nach, und selbst offene Stellen heilten sehr schnell innerhalb einer Woche ab. Dies war in leichteren Fällen bereits nach einer Injektion innerhalb von drei Tagen der Fall. Insgesamt (mit Ausnahme des Haarausfalls) wurde eine völlige oder weitgehende Besserung bei 27 Pferden (also 90 Prozent) nach zwei Injektionen erreicht. Einige der Besitzer waren der Meinung, dass ihre Tiere noch nie so gut ausgesehen hätten. Die Art der Behandlung hat zweifellos den Vorteil, dass man auf eine großflächige äußerliche Einreibung weitgehend verzichten kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Mittel im Vergleich zu Kortisonen und Histaminen relativ preisgünstig ist. Bisher konnten noch keine Nebenwirkungen festgestellt werden.
Nach dem Versuch: weitere Gaben
Den meisten Pferdebesitzern wurden am Ende dieses Versuchs Allergosalampullen überlassen, um diese über das Pferdemaul (einmal täglich zwei Ampullen, drei Wochen lang) zu verabreichen. Durch den Einbruch von kühlem Wetter und auch weil die Anweisung nicht immer befolgt wurde - und wegen des Zeitaufwandes auch nicht kontrolliert werden konnte - waren die Auskünfte sehr unterschiedlich und konnten hier nicht ausgewertet werden.
Interessant wäre es zu ergründen, ob die Wirkung durch Eigenblut vermischt mit dem Arzneimittel verstärkt werden kann.
Dies wurde im vorliegenden Versuch nicht vorgenommen. Im Allgemeinen herrscht nicht über das ganze Frühjahr und den Sommer hinweg "Ekzemwetter", so dass die Anwendung des Mittels auf die entsprechenden Tage beschränkt werden sollte.
Hier bietet es in den meisten Fällen einen sicheren Schutz und ist den äußerlich angewendeten Ölen, die derzeit auf dem Markt sind, sowohl in der Handhabung als auch in der Wirkung überlegen. Inwieweit eine jährliche, langanhaltende Verabreichung von Kortisonen und/oder Histaminen vertretbar ist, soll hier nicht diskutiert werden. Die Erfolge sind sicherlich gut, obwohl es auch dabei sehr unterschiedliche Reaktionen der Tiere gibt.
Empfohlenes Behandlungsschema
Aus meinen Erfahrungen heraus sollten Ekzempferde bei den ersten Anzeichen von Mücken (besser noch mit dem Auftreten von Ekzemwetter im Frühjahr) mit Allergosal subkutan (unter die Haut gespritzt) zwei Ampullen, dreimal im Abstand von drei bis vier Tagen behandelt werden.
Anschließend kann für den gelegentlichen Gebrauch (alle zwei bis drei Tage zwei Ampullen) bei entsprechendem Wetter Allergosal durch den Besitzer per os (über das Maul) verabreicht werden. Wichtig: Die Wirkung sollte durch den Tierarzt überprüft werden, unter Umständen ist ein zusätzliches Eingreifen notwendig.
Bei schon vorhandenen Hautveränderungen führt eine Kombination von Dermisal und Allergosal (je eine Ampulle von 2 ml im Abstand von drei Tagen bis zum Abheilen) in den meisten Fällen zum Erfolg.
Die Besitzer müssen immer darauf hingewiesen werden, dass es ganz wesentlich ist, auch den Lebensraum der Mücken einzuschränken (siehe oben). Von einigen Pferdehaltern wurden diese eigentlich selbstverständlichen Maßnahmen der Umwelthygiene nicht wahrgenommen und somit sehr günstige Bedingungen für die Mücken geschaffen. Bei sehr empfindlichen Pferden sollte auf jeden Fall darauf gedrängt werden, dass diese an Ekzemtagen abends aufgestallt werden, um sie so vor den aggressiven Plagegeistern zu schützen und den Behandlungserfolg zu verbessern beziehungsweise zu gewährleisten.
Allergosal heißt jetzt Alleosal.
Wegen der großen Nachfrage nach Allergosal und einer vom Hersteller jährlich begrenzten Liefermenge konnten im Jahr 2000 nicht alle Pferdebesitzer das Arzneimittel Allergosal erhalten. Daher hat der Hersteller für 2001 eine Neuzulassung ohne Mengenbegrenzung beantragt: Seit dem 15. Juni ist Alleosal (in unveränderter Zusammensetzung doch unter neuem Namen) in Einheiten von zehn und 40 Ampullen im Handel.
Informationen:
Biokanol Pharma GmbH, Rastatt,
Telefon 072 22/78 67 90,
E-Mail j.prasse@biokanol.de
Zum Thema
Sommerekzem
Ursache, Behandlung, Vorbeugung.
Fachbeiträge und Erfahrungs-
berichte betroffener Pferdebesitzer.
fs-Broschüre, 28 Seiten, DM 18,-.
Anke Rüsbüldt -
Sommerekzem
Erkennen, Vorbeugen, Behandeln.
78 Seiten, Fotos und Zeichnungen,
Cadmos Verlag 1997, DM 32,-
Beide Titel sind im fs-Medien-Shop erhältlich.
Literatur
Emich, G. (1986): Naturheilkunde, Bewährte Behandlungsmethoden bei Pferdekrankheiten.
Ahnert-Verlag, Friedberg.
Gerweck, G. u. H. Späth (1993):
Der homöopathische Tierarzt.
Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart.
Lazary, S. (1994): Studies on the frequency and association of equine leucocyte antigens insarcoid and
summer dermatitis, in:
Animal Genetics, 1994, 25, Supplement 1, 75-80.
MacLeod, G. (1988): The treatment of horses by homoeopathy. 5.
Auflage. The L.W. Daniel Co LTD, Saffran Waiden, Essex, England.
Salomon, W. (1987): Naturheilkunde für Pferde.
2. Auflage, Econ
Ratgeber, Econ Verlag, Düsseldorf.
Stevenson, A. J. (1992): Plasma elimination and urinary exretion of procaine after administration of different products to standardbred mares, in:
Equine Veterinary Journal 24, 118-124.
Unkel, M. (1987): Zur genetischen Fundierung des Sommerekzems beim Islandpferd.
Diss. agr. Bonn.
Unkel, M. (1987): Das Sommerekzem des Pferdes und Grundlagen seiner Vererbung.
Verlag Ute Kierdorf, Remscheid.
biokanol.de
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