Zeitschrift "Haflinger"
Veröffentlichung Juli/August 2001
Wie entsteht ein Sommerekzem?
Sehr gute Behandlungserfolge mit Alleosal und Dermisal.
Beim Sommerekzem handelt es sich um entzündliche Hautveränderungen (Schwellung, Rötung, Juckreiz), die vorwiegend an Hals, Bauch, Schwanzrübe und Schlauch des Pferdes lokalisiert sind. Der Juckreiz führt zu ständigem Scheuern und damit häufig zu einer Verletzung der Haut mit u.U. sekundärer Keimbesiedelung, die letztlich nässende oder gar eitrige Ekzeme hervorruft. Durch das Scheuern verlieren viele Pferde einen Teil der Mähne und der Schweifhaare.
Das Leiden wird durch Stechmücken, die sogenannten "Gnitzen" (Culicolides ssp.), hervorgerufen. Aber auch Wadenstecher (Stomoxys calcitrans) werden als Lirsache genannt.
Die Mückenstiche erzeugen eine allergische Reaktion, die bei den Firmen unterschiedlich stark ausgebildet ist. Die Disposition hierfür ist genetisch bedingt. An feuchtwarmen Tagen vermehren sich die Gnitzen besonders schnell und sind dann auch sehr aktiv, so dass die Krankheitserscheinungen vor allem im Frühjahr mit Anbruch der warmen Witterung und im Verlauf des Sommers auftreten. Daher der Name "Sommerekzem".
Häufig gilt das Sommerekzem als eine spezifische Erkrankung der Islandponys, es ist aber bei allen Rassen verbreitet, die entsprechenden Umweltbedingungen wie Islandponys in "Robusthaltung" ausgesetzt sind. Dass das Ekzem in Island selbst nicht auftritt und es auch bei uns in einigen Regionen nicht vorkommt liegt daran, dass das Insekt bei starkem Wind nicht flugfähig und deshalb in bergigen und windigen Lagen nicht lebensfähig ist. So erkranken die Pferde vor allem in Gegenden mit schwülem, warmen und windarmem Wetter.
Die Hauptaktivität des Insekts liegt in den Abendstunden (Dämmerungsmücken). Während dieser Zeit werden die Pferde von den blutsaugenden Weibchen besonders stark belästigt. Aber auch am frühen Morgen, von vier bis sieben Uhr, ist mit verstärkter Stechaktivität der nur einen Millimeter großen Mücken zu rechnen. Culicolides fliegen im allgemeinen nicht sehr weit, so dass vor allem die in unmittelbarer Nähe geschlüpften Mücken die Pferde belästigen. Im Stall sind sie, wenn über haupt, nur vereinzelt zu finden. Ihr primärer Aufenthaltsort ist das Freiland (Unkel, 1987). Durch die Verbreitung artgerechter Haltungsbedingungen, d. h. ganztägige Weidehaltung und geringe Aufenthaltszeiten im Stall, haben wir auch bei Großpferden immer mehr Fälle mit Sommerekzem, so dass diese Erkrankung in der Pferdehaltung ein allgemeines Problem geworden ist.
Vorbeuge
Die Mücke kann durch den Geruch verschiedener ätherischer Öle (Nelken, Zitronen, Knoblauch u.a.) vertrieben werden, weshalb die Besitzer ihre Pferde an "Ekzemtagen" mit diesen Ölen einreiben. Wichtig für die Vorbeuge wäre natürlich auch die Umweltsanierung, d. h. die Beseitigung von Kot und Wasserpfützen, um den Lebensraum der Gnitze einzudämmen. Aber gerade dies wird in der Robusthaltung selten vorgenommen, weil es vermehrt Arbeit macht, und die Pferde nicht zuletzt deshalb eine große Verbreitung gefunden haben, weil sie nicht arbeitsintensiv sind.
Oft haben die Islandpferde nur offene Unterstände und selten geschlossene Stallungen, in denen sie sich die Nacht über aufhalten können. Als Wassertränke dient häufig eine Wanne, von Pfützen umgeben, und auch die Futterraufe steht im Freien. Damit halten sich die Pferde in diesen Bereichen je nach Witterung und Weidequalität am meisten auf und koten hier auch vornehmlich ab. Das Areal ist dann feucht, u. U. schlammig und voller Kot, eine ideale Brutstätte für die Fliegen. Eine wesentliche Vorbeuge wäre es, den Kot regelmäßig zu entfernen und für einen trockenen Freßplatz zu sorgen. Dies würde den "Insektendruck" erheblich mindern.
Therapie
Die Therapie ist rein symptomatisch.
Zur Behandlung der erkrankten Haut werden Kortisone und Histamine verwendet. Beide haben bekannte Nebenwirkungen, die vor allem dem Dauergebrauch von Kortison entgegenstehen, und sind bei längerer Anwendung auch sehr teuer. Aufgetretene Ekzeme werden oft mit verschiedenen Ölen eingerieben, um die Haut geschmeidig zu halten und der Entzündung entgegenzuwirken. Aus Kostengründen wird am häufigsten Babyöl benutzt.
Dermatologische Verschreibungen kommen selten zur Anwendung, da es sich um eine großflächige, anhaltende Veränderung handelt, die schon aus Preisgründen die Versorgung des Ekzems mit hochwirksamen aber auch teuren Salben und Ölen verbietet. Die relative Hilflosigkeit gegenüber dem Ekzem ist ein guter Boden für eine Fülle von obskuren Zubereitungen, die bei den Besitzern falsche Hoffnungen wecken.
So gibt es eine ganze Reihe von Spezialzubereitungen, deren Zusammensetzung nicht immer bekannt ist.
Die Homöopathie empfiehlt verschiedene Mittel, um dem Leiden zu begegnen. Macleod gibt Arsenicum album in ansteigender Potenz. Salomon empfiehlt Sulfur C 30 und ebenfalls, wenn das Ekzem noch trocken ist, Arsenicumalbum, und bei zähem Sekret Graphites.
Auch Emming empfiehlt Sulfur C 30, und zwar jeden dritten Tag 10 Tropfen, und weiterhin Acidum fluoricum D 6 vor allem bei heftigem Jucken. Gerweck und Späth verwenden als Grundbehandlung Sulfur D 12 und bei nässenden Ekzemen Berberis D 6, gehen aber auf eine spezifische Behandlung des Sommerekzems nicht näher ein. Sulfur wird also mehrmals erwähnt, ich kenne aber keine größere Untersuchung, welche die Wirkung nachweist. In dem vorliegenden Versuch war zu prüfen, ob man mit homöopathischen Mitteln dem Ekzem vorbeugen kann und inwieweit eine Behandlung bei bestehendem Ekzem möglich ist.
Material und Methode
Es standen 40 Islandponys zur Verfügung, die in unterschiedlichen Regionen von verschiedenen Besitzern gehalten wurden. Bis auf zwei Pferde hatten alle in den vorausgegangenen Jahren ein deutlich ausgeprägtes Sommerekzem gezeigt. Die Behandlungszeit erstreckte sich vom Frühjahr bis zum Sommer. Die Pferde wurden im Verlauf des Jahres in unterschiedlicher Häufigkeit vorgestellt, so dass sich insgesamt 64 Fälle ergaben.
Da das Sommerekzem bei "Ekzemern" in der Regel jedes Jahr wiederkehrt, wurde keine Kontrollgruppe in diesem Versuch angelegt, sondern als Kontrolle galt die Erkrankung des vorangegangenen Jahres. Auch auf ein Placebo wurde verzichtet, da von vornherein unterstellt werden musste, dass alle Placebo-Pferde das Sommerekzem bekommen würden.
Die Pferde wurden zum Teil nur einmal, anderenteils aber auch mehrmals vorgestellt. Im ersten Versuchsdurchgang handelte es sich um 34 Pferde, die zu dieser Zeit noch kein Ekzem entwickelt hatten. Sie wurden mit Alleosal® zur Vorbeuge des Sommerekzems behandelt. In einem späteren Durchgang wurden 30 Pferde vorgestellt, die schon mehr oder weniger mit Ekzem befallen waren. Sie wurden mit Alleosal® und Dermisal® behandelt, um den therapeutischen Erfolg dieser Kombination zu überprüfen.
Beide verwendeten Mittel werden von der Firma Biokanol Pharma GmbH, Rastatt, vertrieben. Die Präparate haben folgende Zusammensetzung:
Alleosal®: Apis mellifica C 6, Arsenum jodatum C 12, Urtica urens C 6
Dermisal®: Sulfur C 30
Beides sind Hochpotenzen.
Ergebnis
Die Wirkung von Alleosal® in der Vorbeuge wurde an 34 Islandponys überprüft. Alle Pferde bekamen im Abstand von drei Tagen jeweils zwei Ampullen zu je 2 ml Alleosal® subkutan.
Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, blieb bei neun Pferden (26 %) die prophylaktische Verabreichung des Mittels ohne jeglichen Erfolg. Die Pferde wiesen nach wenigen Tagen Juckreiz, Scheuern und Hautläsionen auf, wie dies im vorangegangenen Jahr der Fall gewesen war.
Bei 25 Pferden (74%) trat kein Ekzem auf bzw. bei einigen zeigten sich ganz geringfügig Juckreiz und leichte Schwellungen, die das Pferd aber nicht weiter belästigten. Drei bis fünf Tage nach der letzten Injektion entwickelte sich in den meisten Fällen je nach Witterung mehr oder weniger das gewohnte Ekzembild.
Alleosal® war somit imstande, bei den meisten Pferden das Auftreten des Ekzems zu verhindern, aber nur so lange, wie die Pferde unter dem Arzneimittelschutz standen (Tab.1).
Im zweiten Durchgang, etwa 10 Tage später, wurden jene Pferde vorgestellt, die nach Abschluss der Alleosalbehandlung das gewohnte Ekzembild entwickelt hatten, aber auch solche, die bei der vorliegenden Alleosalbehandlung nicht angesprochen hatten. Es waren Pferde mit teilweise starkem Haarverlust an Mähne und Schweifrü be, erheblichen Schwellungen am Bauch, ausgeprägtem, ständigem Juckreiz und Hautläsionen. Keines davon hatte ein nässendes Ekzem. Allen diesen Tieren wurde jeweils eine Ampulle Alleosal® und Dermisal®* (2 ml) subkutan injiziert.
Zehn Pferde waren bereits drei Tage nach der ersten Injektion ohne Befund, bei 20, die allerdings auch stärkere Beschwerden aufwiesen, musste eine zweite Behandlung vorgenommen werden, die drei Tage nach der ersten Injektion stattfand. Siebzehn Pferde waren drei Tage nach der zweiten Injektion bis auf den Haarausfall gesund oder ihr Zustand hatte sich doch ganz erheblich gebessert. Nur bei drei Pferden trat auch nach der 2. Injektion keine sichtbare Veränderung des Leidens auf (Tab. 2).
Diskussion
Bei der Behandlung sowohl für die Vorbeuge als auch in der Therapie musste festgestellt werden, dass der Schutz des Alleosals nicht von langer Dauer war. Je nach Witterung hielt er drei bis vierzehn Tage oder drei Wochen vor. Bei deutlichem Ekzemwetter setzte der Juckreiz verbunden mit starkem Scheuern schon drei bis fünf Tage nach der letzten Injektion von Alleosal® wieder ein. Inwieweit hier individuelle Unterschiede vorlagen oder das Wetter eine herausragende Rolle spielte, konnte nicht nachgeprüft werden, da die Tiere nicht alle am gleichen Tag behandelt wurden und so die Gruppen zu klein geworden wären. Dieser Effekt war auch bei der Behandlung der Pferde, die mit einem Ekzem befallen waren, zu sehen.
Ungefähr eine Woche nach Behandlungsabschluss trat der Juckreiz wieder auf, verbunden mit Schwellungen und Scheuern. Hier spielten die hygienischen Bedingungen eine erhebliche Rolle. Pferde auf Standplätzen mit Faßtränke, ohne Pfützen und geringer Verunreinigung durch Pferdekot sowie einem guten Unterstand sprachen auf die Behandlung besser an als die Pferde, bei denen der "Insektendruck" besonders hoch war. In Beständen, bei denen die Ohrmuscheln der Tiere voller Insekten waren, blieb das Mittel z. T. wirkungslos.
Bei Alleosal® konnte demnach bei 74% der Pferde ein schützender Effekt nachgewiesen werden, der allerdings wenige Tage nach der Injektion wieder nachließ, worauf die Pferde je nach Witterung und Haltung früher oder später das gewohnte Ekzembild entwickelten.
Alleosal® und Dermisal® gemeinsam hatten eine sehr gute, zum Teil geradezu verblüffende therapeutische Wirkung auf die Hautveränderungen. Die Schwellungen gingen innerhalb weiniger Tage zurück. Der Juckreiz ließ nach, und selbst offene Stellen heilten sehr schnell innerhalb einer Woche ab.
Dies war in leichteren Fällen (10 Pferde = 33%) schon nach einer Injektion innerhalb von drei Tagen der Fall. Insgesamt - mit Ausnahme des Haarausfalls - wurde eine völlige oder weitgehende Besserung der pathologischen Erscheinungen bei 27 Pferden (= 90%) nach zwei Injektionen erreicht. Nur drei von 30 Pferden zeigten auch nach der zweiten Injektion keine merkliche Besserung. Einige der Besitzer äußerten sich über den Behandlungserfolg geradezu begeistert. Bei ungefähr der Hälfte der Pferde waren die Besitzer der Meinung, daß die Tiere noch nie so gut ausgesehen hätten wie dieses Jahr, was sie der guten Wirkung von Alleosal® bzw. von Alleosal® und Dermisal® zuschrieben. Die Art der Behandlung hat zweifellos den Vorteil, dass man auf eine großflächige äußerliche Einreibung weitgehend verzichten kann.
Ein weiterer Vorteil ist, dass das Mittel im Vergleich zu Kortisonen und Histaminen relativ preisgünstig ist. Darüber hinaus konnten noch keine Nebenwirkungen festgestellt werden.
Den meisten Besitzern wurden am Ende des Versuchs Alleosalampullen überlassen mit dem Hinweis, per os einmal täglich zwei Ampullen zu verabreichen. Und dies über drei Wochen lang.
Durch den Einbruch von kühlem Wetter
und auch weil die Anweisung nicht immer befolgt wurde - und wegen des Zeitaufwandes auch nicht kontrolliert werden konnte - waren die Auskünfte sehr unterschiedlich und konnten hier nicht ausgewertet werden.
Interessant wäre es zu ergründen, ob die Wirkung durch Eigenblut vermischt mit dem Arzneimittel, verstärkt werden kann. Dies wurde im vorliegenden Versuch nicht vorgenommen. In der Anleitung weist der Hersteller darauf hin, dass das Mittel vor der Injektion zu schütteln sei. Dabei wird allerdings nicht angegeben, wie oft und in welcher Art und Weise. Es ist bekannt, dass viele Homöopathen der Auffassung sind, dass die Arznei besser wirke, wenn man sie vor der Injektion mehrmals rhythmisch schüttele.
Im allgemeinen herrscht nicht über das ganze Frühjahr und den Sommer hinweg "Ekzemwetter", so dass die Anwendung des Mittels auf die entsprechenden Tage beschränkt werden sollte. Hier bietet es in den meisten Fällen einen sicheren Schutz und ist den äußerch angewendeten Ölen, die derzeit auf dem Markt sind, sowohl in der Handhabung als auch in der Wirkung überlegen. Inwieweit eine jährliche, langanhaltende Verabreichung von Kortisonen und/oder Histaminen vertretbar ist, soll hier nicht diskutiert werden. Die Erfolge sind sicherlich gut, obwohl es auch dabei sehr unterschiedliche Reaktionen der Tiere gibt.
Aus meinen Erfahrungen heraus, sollten "Ekzemer" bei den ersten Anzeichen von Mücken, oder besser mit dem Auftreten von Ekzemwetter im Frühjahr, mit Alleosal® subkutan zwei Ampullen, dreimal im Abstand von drei bis vier Tagen behandelt werden. Anschließend kann für den gelegentlichen Gebrauch bei entsprechendem Wetter Allergosal® durch den Besitzer per os verabreicht werden. Alle zwei bis drei Tage zwei Ampullen sollten genügen. Die Wirkung sollte jedoch durch den Tierarzt überprüft werden, u. U. ist ein zusätzliches Eingreifen notwendig.
Bei schon vorhandenen Hautveränderungen führt eine Kombination von Dermisal® und Alleosal®, je eine Ampulle von 2 ml im Abstand von drei
Tagen bis zum Abheilen, in den meisten Fällen zum Erfolg.
Die Besitzer müssen immer darauf hingewiesen werden, dass es ganz wesentlich ist, auch den Lebensraum der Mücken einzuschränken, d.h. den Kot zu entfernen und Wasserpfützen zu vermeiden. Von einigen Pferdehaltern wurden diese eigentlich selbstverständlichen Maßnahmen der Umwelthygiene nicht wahrgenommen und somit sehr günstige Bedingungen für die Mücken geschaffen.
Bei sehr empfindlichen Pferden sollte auf jeden Fall darauf gedrängt werden, dass diese an Ekzemtagen abends aufgestallt werden, um sie so vor den aggressiven Plagegeistern zu schützen und den Behandlungserfolg zu verbessern bzw. zu gewährleisten.
Zusammenfassung
Es wird über die Prophylaxe und Therapie des Sommerekzems beim Islandpony berichtet. Zur Anwendung kamen homöopathische Präparate.
34 Pferden wurde Alleosal® (Apis Mellifica C 6, Arsenum jodatum C 12, Urtica urens C 6), 2 Ampullen zu 2 ml im Abstand von 3 Tagen, subkutan injiziert. Während 10 bis 14 Tagen trat bei 25 Pferden (= 74 %) kein Ekzem auf.
30 Pferden mit deutlichen Hautveränderungen wurde je eine Ampulle Alleosal® und Dermisal® (Sulfur C 30) verabreicht. Bei 10 Pferden waren die Veränderungen nach 3 Tagen abgeklungen, bei 17 wenige Tage nach einer zweiten Injektion.
Prof. Dr. Heiner Sommer
(Institut für Anatomie und Hygiene der Haustiere der Rheinischen Friedrich- Wilhelm-Universität Bonn)
biokanol.de
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