Zeitschrift "DAS ISLANDPFERD"
Veröffentlichung März/April 1999
Kopfschütteln bis zum Umfallen
Headshaking hat viele Ursachen/Erste Erfahrungen mit der Homöopathie
Headshaking, ein Begriff aus dem englischen und wörtlich mit "Kopfschütteln" zu übersetzen, beschreibt eine Verhaltensstörung, die Roß und Reiter gleichermaßen zur Verzweiflung bringt, da es in schweren Fällen das Pferd unreitbar machen kann und für den Reiter nicht zuletzt auch Gefahren mit sich bringt.
Erscheinungen
Headshaking ist eine gravierende Verhaltensstörung des Pferdes, die sich in heftigem, offensichtlich unwillkürlichen und sich ständig wiederholenden Kopfschlagen äußert. Durch das unaufhörliche Schlagen oder Schütteln mit dem Kopf ist an einen entspannenden Ausritt oder an ein konsequentes Arbeiten in der Bahn praktisch nicht mehr zu denken. Pausenloses Reiben des Kopfes an den Vorderbeinen, am Boden oder diversen Gegenständen gehört ebenfalls zum Verhaltensmuster des Headshakers.
In schweren Fällen kann sich der Zustand bis hin zu Gleichgewichtsstörungen und Sturzgefahr steigern, regelrechte Panikattacken machen das Pferd unkontrollierbar. Heftiges Schnauben und Prusten können die Situation verschärfen. Die Nüstern sind meist weit und gerötet. Alle Erscheinungen weisen auf heftigen Juckreiz oder Schmerzen im Bereich der Nase hin. Bei vielen Pferden sind auch die Augen betroffen mit Schwellung, Rötung und Tränenfluß.
Sonneneinstrahlung und Wärme sind geeignet, die Symptome zu verstärken. Unter Beanspruchung nach der Aufwärmphase verschlimmert sich das Shaken in vielen Fällen, wohl durch die mit der Bewegung verbundene gesteigerte Durchblutung der Nasenschleimhäute.
Ursachen
Die Ursachen sind so vielfältig wie die Erscheinungsformen des Leidens. So kommen sowohl organische Grundkrankheiten als auch Untugenden so - wie Reiterfehler und fehlerhaftes Sattel- und Zaumzeug in Frage. Letztere sollen in diesem Artikel allerdings weitgehend unberücksichtigt bleiben, da es sich hierbei nicht um medizinische Probleme handelt.
Shaken kann durch Störungen in den verschiedensten Organsystemen ausgelöst werden. Es kommen in Betracht Erkrankungen der Ohren, Augen, Zähne, Atmungsorgane, Hals und Rückenwirbel, der Muskulatur und des Zentralnervensystems. Viele dieser Grundkrankheiten können vom Headshaking im eigentlichen Sinne schon dadurch abgegrenzt werden, daß sie meist noch andere, für die Grundkrankheit typische Symptome aufweisen. Sie müssen entsprechend der klinischen Diagnose behandelt werden. Sie alle zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen. Auch eine Beteiligung von Herpesviren (EHV-1 Infektionen) wird diskutiert, in deren Folge es zu erhöhter Reizempfindlichkeit in der betroffenen Schleimhaut kommt.
Nach unseren Beobachtungen nehmen allergische Reaktionen eine Schlüsselposition unter den auslösenden Faktoren des Headshaking ein, insbesondere bei den sog. idiopathischen Shakern, bei denen die Symptomatik keine weiteren Hinweise auf die Ursache gibt. Im folgenden wird über diese, in Diagnostik und Therapie häufig problematischen Fälle schwerpunktmäßig berichtet.
Der allergische Headshaker reagiert auf sensibilisierende Faktoren sogenannte Allergene in seiner unmittelbaren Umgebung, die in der Regel pflanzlicher Natur sind wie Pollen, Heublüte, insbesondere blühender Raps usw. ähnlich wie bei einem von Heuschnupfen geplagten Menschen. Aber auch Staub, pilzbehaftetes Futter, Stechmücken und andere Fluginsekten sowie in seltenen Fällen das Metall des Gebisses können eine allergische Reaktion auslösen. Erschwerend hinzukommen kann der Ammoniakgehalt der Einstreu, der die Nasenschleimhaut zusätzlich reizt.
Bei vielen betroffenen Pferden verschlimmert sich das Leiden unter Sonneneinstrahlung. Bei einigen ist im Sonnenlichtreiz sogar die alleinige Ursache für das Shaken zu suchen (sog. photic Shaker). Diese Erkrankung ist auch in der Humanmedizin (photic sneeze) bekannt. Beim Menschen gilt das Leiden als weitgehend erforscht. Es handelt sich um ein (autosomal dominant) vererbtes Syndrom, das zu einem heftigen Niesreflex unter Beteiligung des Trigeminus- und des Sehnerven führt. So kann auch beim Pferd eine ererbte Disposition für das Leiden nicht ausgeschlossen werden. Die betroffenen Pferde suchen Schatten und Dunkelheit und versuchen, ihren Kopf unter den Schweif von Artgenossen zu stecken. Da Pferde nicht wie Menschen nießen können, reagieren sie mit Schnauben und Kopfschlagen. Diese Pferde können nachts und in der Halle in der Regel relativ problemlos geritten werden.
Diagnose
Bei der Diagnosestellung und Ursachenabklärung ist eine genaue Beobachtung des Pferdes durch seinen Reiter oder Besitzer unbedingt notwendig. Ein umfassender Vorbericht kann dem Pferd aufwendige Untersuchungen und dem Besitzer unnötige Kosten ersparen.
Der Untersucher kann das Pferd nur zum Zeitpunkt der Untersuchung quasi in einer Momentaufnahme beurteilen, während sich die Beobachtungen des Betreuers über den gesamten Zeitraum erstrecken. Nur durch eine gewissenhafte Bestandsaufnahme aller Fakten gehen wertvolle Hinweise nicht verloren.
So ist es u.a. wichtig abzuklären, ob das Shaken nur über die Sommermonate oder über das ganze Jahr mehr oder weniger gleichmäßig auftritt. Spielen Sonnenlicht, Pollenflug, Arbeit und Streß eine Rolle? Shakt das Pferd auch in der Halle oder nur in der Nähe von Feldern, Hecken und bestimmten Bäumen? Shakt es auch nachts oder bei Regen?
Durch sorgfältige Ermittlung der Begleitumstände unter denen das Shaken auftritt oder sich verschlimmert, lassen sich Rückschlüsse ziehen auf eine allergische Ursache des Leidens. Ein endgültiger Befund ist fallweise nur mit einer eingehenden klinischen Untersuchung und weiterführenden Tests möglich. In diesem Zusammenhang sei insbesondere auch auf die Möglichkeiten eines Allergietests verwiesen.
Behandlung
Insgesamt bedeutet das Headshaken eine grosse Beeinträchtigung für die Pferde und ihre Reiter. Für das Pferd eine echte körperliche Qual, zudem wird der Reiter an der Ausübung seines Hobbies gehindert. Bei vielen Pferden verschlimmern sich die Krankheitserscheinungen stetig bzw. bei den Pferden, die nur in der warmen Jahreszeit shaken, von Sommer zu Sommer, bis sie schließlich gar nicht mehr geritten werden können. Manche Pferdebesitzer resignieren und verkaufen ihr Pferd, oft auch in der Hoffnung, dass die Beschwerden mit einem Stall- und Milieuwechsel verschwinden. Im äussersten Fall wird gar eine Euthanasie in Erwägung gezogen.
Die herkömmliche Therapie ist in der Regel rein symptomatisch. Langzeitbehandlungen mit u.U. nebenwirkungsbehafteten Medikamenten führen oft nicht zum gewünschten Erfolg.
Desensibilisierung nach vorausgegangenem Allergietest stellt eine weitere Therapiemöglichkeit dar.
Als operative Maßnahme kann ein infraorbitaler Nervenschnitt durchgeführt werden, der nur bei ca. einem Drittel der operierten Pferde zum Erfolg führt. Diese Methode hat darüberhinaus den Nachteil, dass das im Maulbereich unempfindlich gewordene Pferd dazu neigt, sich selbst Verletzungen zuzufügen.
Mechanische Hilfsmittel zur Abdeckung von Nase, Maul und Augen haben zumindest unterstützend, in leichteren Fällen auch fürsich allein gute Erfolge. Für Nase und Maul werden die verschiedensten Netze, Fransen und Bommeln empfohlen. Viele werden selbst hergestellt, am einfachsten ist eine abgeschnittene Nylon-Strumpfhose, die über das Maul gezogen und am Zaumzeug befestigt wird. Auch für die Augen gibt es die unterschiedlichsten Masken. Bei starker Lichtempfindlichkeit kann eine komplette UV-Schutz-Decke zur Anwendung kommen.
Ganz wichtig ist es, die Haltungsbedingungen zu optimieren. Insbesondere ist die Umgebung des Pferdes so gut wie möglich staubfrei zu halten. Das Heu sollte nicht nur leicht angefeuchtet werden, sondern ca. zwei Stunden vor der Fütterung gut naß gemacht werden. Auch die Einstreu ist möglichst staubfrei zu gestalten, wobei das Umstellen von Stroh auf Sägespäne nicht immer zu empfehlen ist, da es Allergiker unter den Pferden gibt, die auf Sägespäne mit Quaddelausschlag reagieren. Die optimale Einstreu kann für jeden Patienten durch Ausprobieren gefunden werden. Headshaker sollten die Möglichkeit haben, sich tagsüber in einen dunklen, schattigen Bereich unterzustellen. Starke körperliche Beanspruchung und Streß sind zu vermeiden.
Homöopathie als Alternative
Eine echte Alternative zu den herkömmlichen Therapieansätzen bietet die Homöopathie.
Anstatt rein symptomatisch zu behandeln sowie Schmerzen und Juckreiz lediglich zu unterdrücken, mobilisiert die homöopathische Arznei die Selbstheilungskräfte des Körpers und greift regulierend in entgleiste Stoffwechselvorgänge ein. Hierbei sind bisher keine Nebenwirkungen beobachtet worden. Mitunter kann es zwar zu einer sog. Erstverschlimmerung kommen, die jedoch anzeigt, daß eine Substanz mit dem passenden Arzneimittelbild gewählt wurde.
Das Kombinationspräparat Alleosal der Firma Biokanol hat bei der Behandlung des Headshaking gute Ergebnisse gebracht. Das Kombinationspräparat aus den homöopathischen Einzelsubstanzen Apis mellifica (Honigbiene), Arsenum jodatum (Arsentrijodid) und Urtica urens (Brennessel) wurde zur Behandlung von Allergien bei Tieren entwickelt. Dank seiner Zusammensetzung aus den o.g. Substanzen erwies sich das Medikament bereits als wirksam in der Behandlung des Sommerekzems.
Die Anregung Alleosal (vorher Allergosal) bei HS einzusetzen, kam von Frau Molitor, einer Pferde-Besitzerin, deren Pferd sowohl unter Sommerekzem als auch unter Headshaking litt. Während der erfolgreichen Behandlung des Sommerekzems mit Alleosal stellte sie fest, dass auch die Headshaking-Symptome bei ihrem Pferd verschwanden. Sie empfahl das Mittel anderen Betroffenen weiter.
Auf der Basis von elf Erfahrungsberichten wurde eine erste Auswertung vorgenommen. In diese Berichte flossen außer den Daten des Patienten Angaben über Fütterung, Einstreu, sonstige Erkrankungen und Medikationen, Wetter, Belastung des Pferdes sowie die gezeigten Symptome mit ein.
Diese Fallstudie ergab einen deutlichen Therapieerfolg bei neun von elf Pferden. Wieweit die Empfehlungen zur Optimierung der Haltungsbedingungen umgesetzt wurden, konnte hierbei nicht überprüft werden. Inzwischen liegen weitere Erfahrungsberichte vor, welche die ersten positiven Ergebnisse bestätigen.
Dosierung und Anwendung
Eine Ampulle Alleosal alle 3-4 Tage per Injektion, am einfachsten unter die Haut. Es kann auch die orale Gabe versucht werden, womit in der Behandlung des Sommerekzems bei vielen Pferden gute Erfolge erzielt wurden. Hierbei ist der Inhalt einer Ampulle am besten direkt ins Maul zu geben, um eine Wirkung über die Maulschleimhaut zu ermöglichen. Eine Verabreichung überdas Futter ist weniger empfehlenswert.
Möglicherweise muß bei der oralen Behandlung das Alleosal täglich verabreicht werden. Generell sollte sich bei jedem Shaker im Laufe der Behandlung individuell an die optimale Häufigkeit und Art der Anwendung herangetastet werden.
In den Fällen, in denen die Symptome ganz verschwinden, kann nach zwei Monaten versuchsweise das Medikament abgesetzt werden. Sollte es zum Rückfall kommen, ist die Therapie fortzusetzen, zumindest während der warmen Sommermonate.
Je nach Lage des Einzelfalles kann die Alleosal-Behandlung mit anderen homöopathischen Arzneien unterstützt oder ergänzt werden. Dies sollte im Einzelfall mit einem erfahrenen Tierarzt oder Tierheilpraktiker besprochen werden.
Nebenwirkungen von Alleosal sind nicht bekannt. In seltenen Fällen kann es zu Beginn der Behandlung zu einer leichten Erstverschlimmerung kommen. Gelegentlich wird ein vermehrtes Wasserlassen beobachtet.
Während der Behandlung mit homöopathischen Mitteln sollte auf die Anwendung ätherischer Öle wie Minze, Eukalyptus und Teebaumöl verzichtet werden. Fliegensprays, die diese Öle enthalten, sollten im Kopfbereich gemieden werden.
Schlußbetrachtung
Die Anwendung des homöopathischen Komplexmittels Alleosal bei der Behandlung von Headshaking stellt eine Arzneimittelverordnung nach bewährter Indikation mit positiven Ergebnissen dar. Unter der Prämisse, daß schädliche Nebenwirkungen nicht zu erwarten sind und die Behandlung darüberhinaus einfach und kostengünstig ist, besteht die Hoffnung, daß auf diesem Wege vielen Betroffenen geholfen werden kann. Auf eine strikte Optimierung der Haltungsbedingungen darf auch bei gutem Behandlungserfolg nicht verzichtet werden.
Alleosal ist ein Tierarzneimittel das Sie in der Apotheke oder beim Tierarzt erhalten.
Biokanol Pharma GmbH, Kehler Str. 7, 76437 Rastatt,
Tel.: 07222-786793, Fax: 786799, info@biokanol.de
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